Liebe Gemeinde!

Geschafft! Glücklich über die Rettung, dieAngst noch in den Gliedern, stehen sie da. Endlich können sie aufatmen, alles loslassen:Anstrengung, Schmerz, Lähmung - alles fällt ab. Körperlich und seelisch sind die gezeichnet von den Strapazen der letzten Tage und Stunden. Doch der Geist und das Herz sind in Hochstimmung. Nach der geglückten Flucht aus dem Arbeitslager waren sie voller Hoffnung auf Freiheit aufgebrochen. Dann lag das Wasser vor ihnen; sie würden sich erst Flöße bauen müssen, um hinüber zu kommen. Wie lange das dauern würde, konnte keiner sagen. Einer hatte dann den Staub am Horizont gesehen; bald wurde klar, dass ihnen die Verfolger auf den Fersen waren. Wohin? Wohin sollten sie noch fliehen? Wie hinüber kommen? Verloren! Sollte alles vergeblich gewesen sein? Was würde passieren, wenn die Truppen der Verfolger sie hier  aufgriffen? Tod oder Leben? Wieder ins Arbeitslager? Wie würde man sie, die Flüchtigen bestrafen? Gab es überhaupt noch einen Sinn zu leben? Beten war das Einzige, was ihnen blieb. Beten und hoffen, dass Gott irgendwie hilft. Es war wie ein Sturm in ihren Herzen, ein Orkan der Furcht. Dass der Wind um sie her zum Sturm anschwoll, spürten sie kaum. Jeder duckte sich vor dem Wind, duckte sich in das kommende Schicksal. Es hätte sie nicht gewundert, wenn es sie einfach weg geweht hätte, so verzweifelt waren sie. Lediglich Mose stand noch aufrecht, den Arm zu Gott erhoben. Was dann geschah, konnte kaum jemand begreifen. Das Wasser war gewichen, man sah die Wasserpflanzen, die Muscheln, den Schlick. Irgendeiner lief los, watete in das Ungewisse hinein, in Richtung des anderen Ufers. Ein Weg zur Rettung, den sich keiner vorgestellt hatte. Einer nach dem Anderen lief hinter dem Ersten her; sie liefen um ihr Leben ans rettende Ufer. Kaum angekommen, lies der Wind nach. Der Sturm legte sich und das Wasser kam zurück. Den Verfolgern war der Weg abgeschnitten, einige wurden von der einsetzenden Flut mitgerissen. Geschafft! Glücklich über die Rettung, die Angst noch in den Gliedern, beginnt Mose ein Lied zu singen:

Meine Stärke und mein Lied ist der Herr, er ist für mich zum Retter geworden. (2. Mose 15, 2)

Andere stimmten mit ein. Solche Erfahrungen mit Gott waren unglaublich und doch wahr. Sie hatten es selbst miterlebt, mit eigenenAugen gesehen. So ist unser Gott, das sollten alle wissen.

Ihr Pfarrer Diethelm Eckhardt

   
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